Utecht feiert 100 Jahre Freiwillige Feuerwehr
Vor 100 Jahren zerstörte ein Feuer Existenzen und schuf eine Gemeinschaft. Nun feiert die Freiwillige Feuerwehr ihr Jubiläum – mit Festumzug und Musik einer legendären Kapelle.
Michael Schmidt

Kleine Gemeinde, großes Jubiläum: In Utecht feiert die Freiwillige Feuerwehr ihr 100-jähriges Bestehen. Dazu werden 15 Feuerwehren sowie zwei Abordnungen der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) aus Ratzeburg und Groß Sarau in dem Dorf erwartet.
Höhepunkte der Feierlichkeiten werden am Samstag, 27. Juni 2026, ab 13 Uhr ein Festumzug, ein Familienprogramm mit Tombola sowie eine öffentliche Abendveranstaltung mit Live-Musik und DJ sein. Am Sonntag wird es ab 10 Uhr einen musikalischen Frühschoppen mit der legendären Utechter Blaskapelle geben. Sie war 1958 gegründet worden.
Apropos Gründung: Nach einem verheerenden Unwetter, bei dem vor mehr als 100 Jahren drei Höfe nach Blitzeinschlägen abgebrannt waren, wurde die Utechter Feuerwehr ins Leben gerufen. Damals war Utecht noch ein Lübsches Dorf und gehörte zunächst zum Lübschen Staatsgebiet. Dies änderte sich 1937, als Utecht an Mecklenburg angegliedert wurde.
Als Löschtechnik stand der Wehr zunächst eine Handdruckspritze, die wie die spätere Motorspritze von Pferden gezogen wurde, zur Verfügung. Im Jahre 1967 bekamen die Brandschützer ein Tragkraftspritzenfahrzeug vom Typ B1000.

Nach 1990 erhielt die Feuerwehr von Kameraden aus Groß Sarau einen Opel Blitz geschenkt. Später erwarb sie ein ausgemustertes Feuerwehrauto, das in mühevoller Kleinarbeit wieder auf Vordermann gebracht wurde und bis 2018 als Einsatzfahrzeug diente.
Heute können die Brandschützer ein nach ihren Vorstellungen und Wünschen gefertigtes Tragkraftspritzenfahrzeug mit Wasser (TSFW) aus Görlitz sowie einen Mannschaftstransportwagen nutzen.
In den zurückliegenden 100 Jahren hatte die Utechter Feuerwehr mehrere große Brände zu bekämpfen. Dazu zählte etwa ein Feuer, bei dem im Juni 1945 Ställe, Wohnhäuser und Wirtschaftsgebäude in Campow zerstört wurden. Dadurch verloren auch viele Kriegsflüchtlinge, die in dem Dorf untergebracht waren, ihre allerletzte Habe. Ein Jahrzehnt später brannte in Utecht ein Speicher ab.
Unermüdlich im Einsatz waren Utechter Feuerwehrleute auch in den Wintern 1969 und 1978/79. Rund um die Uhr kämpften sie damals gegen Schneemassen an und erhielten dabei Unterstützung von allen einsatzfähigen Männern der Gemeinde.
In schwieriges Fahrwasser kam die Utechter Feuerwehr in den 1990er-Jahren, als die Mitgliederzahl rapide sank. Die Gemeinde stand kurz vor der Gründung einer Pflichtfeuerwehr. Dies konnte gerade noch abgewendet werden, auch weil der damalige Bürgermeister Andreas Spiewack Klinken putzen war und um eine Mitgliedschaft in der Feuerwehr warb.
Heute gehören in der rund 400 Einwohner zählenden Gemeinde 26 Frauen und Männer der Feuerwehr an. Hinzu kommen die Jugendfeuerwehr mit 36 sowie eine Ehrenabteilung mit sechs Mitgliedern.
„Brände haben wir zum Glück nur selten zu bekämpfen“, sagt Wehrführer Stefan Winkler. So würden er und seine Kameraden hauptsächlich zur Beseitigung von Sturmschäden und zu Verkehrsunfällen ausrücken.
Utechts Bürgermeister Dr. Norbert Marienhoff ist besonders stolz auf die soziale Kompetenz der Feuerwehr. Als Beispiel nennt er die engagierte Arbeit und Aktivitäten für die Kinder- und Jugendfeuerwehr. „Außerdem ist die Feuerwehr für die Gemeinschaft da und trägt zur Integration bei. Es gibt hier fast keine Veranstaltung ohne Utechter Feuerwehr.“
Ähnlich sieht es Wehrführer Stefan Winkler: „Was die Kameraden hier in ihrer Freizeit leisten, ist enorm. Was ich in den zurückliegenden Jahren immer wieder festgestellt und schätzen gelernt habe, ist die enge Kameradschaft sowie die harmonische Zusammenarbeit von Gemeinde und Feuerwehr.“ Ein Grund mehr, 100 Jahre Feuerwehr in Utecht zu feiern.