Historisches zur FFW aus dem Jahre 2001

Historisches und tatsächlich Interessantes aus der Geschichte der FFW Utecht, aus der Festrede anläßlich des 75jährigen Bestehens der FFW im Jahre 2001, heute für Sie!

Festansprache anlässlich des 75- jährigen Jubiläums der FFW Utecht am 18.Mai 2001

Werte Gäste, sehr gehrte Damen und Herren, liebe Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Utecht!

Wir haben Sie heute aus Anlass unsers Jubiläums der Freiwilligen Feuerwehr Utecht eingeladen. Vor 75 Jahren, also vor einem dreiviertel Jahrhundert wurde in Utecht die Freiwillige Feuerwehr gegründet.

Uns liegt ein Protokoll der Direktion der Feuerwehr Lübeck vom 25. November 1925 vor, in dem es heißt, Ich zitiere:  „Direktion der Feuerwehr Lübeck, den 24. November 1925 an Herrn Gemeindevorsteher Herrn Krogmann in Utecht. Ich habe davon Kenntnis genommen dass sich in Utecht eine Freiwillige Feuerwehr in Stärke von 25 Mann gebildet hat. Nach den bestehenden Bestimmungen muss ein namentliches Verzeichnis der Mitglieder und die Satzung hier eingereicht werden. Ebenso werden die Führer von hier bestätigt. Wegen Aufnahme der Freiwilligen Feuerwehr in den Verband Freiwilliger Feuerwehren im Lübeckschen Staatsgebiet müssen sie sich an den Vorsitzenden, Herrn Schlachtermeister H. Ahrendt in Schlutup wenden.  Der Brandmeister Statuten der Freiwilligen Feuerwehren in Nusse sind Herrn Krogmann heute mitgegeben worden.“ Zitat Ende.

In einem weiteren Protokoll vom 19. Dezember 1925 heißt es, Ich zitiere: „Direktion der Feuerwehr Lübeck, den 19. Dezember 1925 an Herrn Gemeindevorsteher Krogmann in Utecht. Das Polizeiamt hat die Eingereichten Satzungen sowie die Wahl der Führer der Freiwilligen Feuerwehr Utecht bestätigt. Sie werden ersucht, den gewählten hiervon Mitteilung zumachen. Die Satzungen sind in der Anlage beigefügt. Der Branddirektor“ Zitat Ende.

Zum besseren Verständnis möchte ich erwähnen, dass Utecht bis 1937 ein Lübsches Dorf war und somit auch die Freiwillige Feuerwehr Utecht zum Lübschen Staatsgebiet gehörte. Erst nach Inkrafttreten des Gesetzes über Groß Hamburg und andere Gebietsbereinigungen vom 01.04.1937 wurde Utecht an Mecklenburg angegliedert.

Der erste Hauptmann der FF Utecht war Heinrich Planthaber. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten weiterhin

Paul Klempau,  Heinrich Hamburg jun. , Heinrich Stoffers, Karl Hillmann,  Walter Warck , Otto Hamann,  Otto Lühr,  Julius Krupka , Heinrich Behnke, Ferdinand Krogmann,  Heinrich Dilse,  Walter Krogmann,      Hans Dunker, Friedrich Letz,  Hans Ehmk, Wilhelm Mangelsen,  Walter Hartmann,  Friedrich Mangelsen,  Heinrich Oldenburg,  Heinrich Planthaber jun. , Hans Oldenburg,  Otto Retelsdorf , Hugo Oldenburg,     Willi Rumor,   Hermann Oldenburg, Robert Süfke.

Als Löschtechnik stand der Wehr eine Handruckspritze, die von Pferden gezogen werden musste, zur Verfügung.

Utecht erhielt aber schon rechtzeitig eine Motorspritze, die aber auch noch immer von Pferden gezogen wurde. 1967 bekam die Utechter Feuerwehr ein modernes TSF vom Typ B1000,welcher uns auch heute noch Gute Dienste leistet. Der erste Fahrer und Gerätewart dieses TSF`s war der Kamerad Franz Schröter.

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Trotz der zu dieser sehr modernen Technik wurde weiterhin ein Gerätewagen, der von Traktoren der LPG gezogen wurde, im Brandfall eingesetzt. Dieser diente gleichzeitig zum Transport der Einsatzkräfte.   Nach 1990 erhielt unsere Wehr von den Kameraden aus Groß Sarau ein ausgemustertes LF8 überreicht, dieses wurde in mühsamer Kleinarbeit wieder auf Vordermann gebracht und dient uns heute als Einsatzfahrzeug.  In Utecht gab es in der Dorfmitte, heute Jugendraum, ein Gerätehaus für die Löschpumpen der Feuerwehr. Auch in den Ortschaften Neuhof und Campow, welche 1969 nach einer Gebietsreform, Ortsteile von Utecht wurden gab es solche Gerätehäuser.

In Neuhof und Campow bestanden viele Jahre Kommandostellen der Feuerwehr. Das Gerätehaus in Campow am Moorteich steht schon viele Jahre leer aber es steht noch.

In Campow wurde 1969 in Freiwilliger Arbeit unserer Kameraden ein neues Feuerwehrhaus errichtet. Es diente zum Unterstellen der Technik.

Mit dem Bau eines größeren Gerätehauses in Utecht und der Auflösung der Kommandostellen in Campow und Neuhof vermietete der Rat der Gemeinde dieses Feuerwehrhaus an eine Familie als Garage. (Diese wurde 2001 abgerissen und stand auf dem jetzigen Grundstück Neuhofer Weg 1 –Nachtrag vom Admin)

1998 entstand in Utecht ein neues Mehrzweckgebäude in dem ein Feuerwehrgerätehaus integriert ist. Wir führen hier in diesem Feuerwehrhaus unsere Schulungen und Beratungen durch und haben genügend Platz für die inzwischen modernere Technik.

Schon vor Jahrtausenden war das Feuer der beste Freund des Menschen. Es wurde zufällig entdeckt und sorgfältig behütet.  Inzwischen hat die Naturkraft Feuer längst ihr Geheimnis preisgegeben. Schon lange wissen die Menschen, dass Feuer nur dann entsteht, wenn drei Voraussetzungen gegeben sind: ein brennbares Material, Sauerstoff und  eine entsprechende Zündtemperatur.  Entzieht man ihm eins dieser drei Dinge, dann erlischt das Feuer. Besonders dies sollten wir wissen, denn sehr schnell kann das Feuer zum Feind des Menschen werden. Als der Brandschutz noch sehr unvollkommen war, schrieb der deutsche Dichter Heinrich Heine:

„Baut eure Häuser wieder auf und trocknet die Pfützen und schafft euch bessere Gesetze und bessere Feuerspritzen.“

Der Schutz vor Bränden war und ist das Anliegen aller Bürger und nicht nur der Mitglieder der FFW. Vorbeugen statt Löschen – das ist und bleibt die wichtigste Aufgabe der FFW. Nicht immer aber konnten trotz vorbeugendem Brandschutz Brände verhindert werden. Zu Löschen hatte die Utechter Feuerwehr mehrere große und kleine Brände.

Am 01. Juni 1945 gab es einen Großbrand in Campow, dem Ställe, Wohnhäuser und Wirtschaftsgebäude zum Opfer fielen. Es konnte nie eindeutig ermittelt werden, ob Munition explodiert oder mutwillige Brandstiftung der Grund des Feuers waren. Jeder Brand bringt Schaden, Opfer und Leid für die Geschädigten. Bei diesem Brand in Campow kam noch hinzu, dass viele Kriegsflüchtlinge in Campow untergebracht waren. Sie verloren durch das Feuer ihre allerletzte Habe. 1955 brannte in Utecht ein Speicher ab. Oft mussten wir aber auch ausrücken um Menschen in Notlagen zu helfen.

In den strengen Wintern 1969 und 19787/79 waren es die Kameraden der FFW die rund um die Uhr im Einsatz gegen die Schneemassen waren. Unterstützt wurden sie von allen einsatzfähigen Bürgern der Gemeinde.

Nach der Wende hat sich der Aufgabenbereich der Freiwilligen Feuerwehr erheblich erweitert. So kam es auch bei uns in den letzten Jahren mehrmals vor, dass wir bei Verkehrsunfällen hier in unserem Bereich Hilfe zu leisten hatten. Im Winter mussten vom Sturm umgestürzte Bäume beseitigt werden. Einmal hatten wir sogar einen Einsatz um einen verunglückten Schlittschuhläufer vom Eis der Ratzeburger See zu bergen.

Zu den immer wiederkehrenden Aufgaben der FFW gehörten über Jahre die Brandschutzkontrollen in den Wohnhäusern und betrieblichen Einrichtungen. Es wurden elektrische Leitungen, Ofenrohre und das Vorhandensein von Ofenblechen kontrolliert. Bei Beanstandungen gab es Mängelzettel und Termine zur Beseitigung der Mängel. Ein Verantwortlicher in jedem Ortsteil hatte die Einsatzbereitschaft der Sirenen zu kontrollieren. Jeden Samstag um12.00 Uhr wurde die Sirene geschaltet. Durch die moderner gewordene Technik erübrigte sich diese Tätigkeit. In den Sommermonaten wurde bei der Heu- und Strohbergung in den landwirtschaftlichen Betrieben eine genaue Temperaturmessung in den Lagern und Silos durchgeführt. Auch diese Aufgaben hatten unsere Kameraden zu erledigen. Dazu wurde ein Messtagebuch angelegt, in das jede Messung exakt eingetragen wurde. So konnten bei ersten Abweichungen vorbeugende Maßnahmen eingeleitet werden. Bei herannahenden Unwettern z. B. Gewitter musste sich die jeweils diensthabende Gruppe im Gerätehaus einfinden um eine schnelle Einsatzbereitschaft zu gewährleisten. Hierbei muss man sagen, dass der Umsatz der nahe gelegenen Gaststätte an solchen Tagen anstieg.

Zu Beginn meiner Ausführungen hatte ich den Namen des ersten Feuerwehrhauptmannes von 1925 Heinrich Planthaber genannt. Weitere Utechter Wehrleiter waren:  Hans Oldenburg bis 1961,            Dietrich Wolter, Heinz Löper, Uwe Eberhardt, Udo Wendorf, Thomas Giesert und Seit 1997 Frank Quint.

1968 wurde in Utecht eine Frauenlöschgruppe gegründet. Die erste Leiterin dieser Gruppe war Frau Helga Wendorf. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten: Erika Kümmel, Hannelore Sobisch, Monika Löper, Karin Botzon, Irene Reyer, Anne Morgental, Mariechen Schröter.

Ganz besonders um die Jugendarbeit, also um neue Mitglieder für die Feuerwehr zu gewinnen, kümmerte sich der damalige Wehrleiter Heinz Löper.

So hatte die Utechter Feuerwehr einen Patenschaftsvertrag mit einer Klasse der POS Schlagsdorf. Diese Arbeit trug viel zur Mitgliederwerbung bei. Es war ein beidseitiges Geben und Nehmen. Über die Arbeit in der Feuerwehr wurden die Schüler zu guten schulischen Leistungen motiviert. Als einen wichtigen Teil unserer Arbeit betrachten wir zur jeder Zeit die Arbeit mit der Jugend. Wir haben in Utecht eine Zahlenmäßig starke Jugendgruppe. Sie wird vom Kameraden Heinz Hinzmann seit 1998 geleitet. Bei Übungen und Ausscheiden im Amtsbereich können wir uns auf die Mitglieder der Jugendwehr verlassen. Wir bemühen uns, den Jugendlichen neben der Vermittlung von Kenntnissen im vorbeugenden Brandschutz auch wertvolle Charaktereigenschaften wie Zuverlässigkeit, Ausdauer, Mut und Kameradschaft anzuerziehen. Es wird aber nicht nur ernsthaft gearbeitet, gelernt und trainiert, sondern auch gespielt. Statistiken belegen, wer als Jugendlicher bei der FF war kommt als Erwachsener fast nie mit dem Staatsanwalt in Berührung.

Am 06. Mai 2000 trafen sich zehn Wehren und 6 Jugendwehren aus dem Amtsbereich Rehna Land in Campow zum Amtswehrtag. Alle gaben sie ihr Bestes, um den Pokal des Amtswehrführers Gerhard Strecker zu erkämpfen. Bei diesem Ausscheid ging es nicht nur um Schnelligkeit und Geschicklichkeit an den Schläuchen, sondern auch Leinenverbindungen und ein Fragenkomplex gingen in die Wertung ein. Unsere Arbeit ist vielseitig, wir beweisen es immer wieder.

Seit mehreren Jahren veranstaltet die FF am Ostersamstag das Osterfeuer in Utecht. Jedes Jahr erleben wir, dass viele Bürger unserer Gemeinde diese Gelegenheit nutzen, um alte Traditionen zu pflegen. Oft wurde schon bis in den Morgen hinein getanzt und so das Osterfest vergnügt eingeleitet. Aber auch das gesellschaftliche Leben des Ortes wird durch unsere Mitglieder maßgeblich mitgestaltet. So sind wir 2 – 3 mal im Jahr die Veranstalter des Skat- und Knobelabends. In unserer 75 jährigen Geschichte können wir darauf verweisen, dass nicht nur hart geübt und trainiert wurde, sondern auch feuchtfröhlich gefeiert wurde. Die jährlichen Rechenschaftslegungen verbanden die jeweils Leitenden immer mit einem Feuerwehrball für alle Einwohner des Ortes – oder damals noch aller drei Ortsteile Utecht – Campow – Neuhof.

In diesem Zusammenhang  – dem Feste feiern – möchte ich einiges zur Kapelle der FF Utecht sagen. 1958 wurde die Kapelle ausschließlich aus Mitgliedern der Utechter Feuerwehr gegründet. Damals fanden sich die Kameraden zusammen, die Freude am eigenen Musizieren hatten, die aber auch Gutes darin sahen, anderen mit ihrer Musik frohe Stunden zu bereiten. Fast alle von uns waren im Mai 1998 dabei, als die Kapelle ihr 40 jähriges Jubiläum hier in Utecht feierte. Der Schlagsdorfer Musiklehrer Johann Lenschow kam einmal wöchentlich zu Probestunden nach Utecht. Kamerad Horst Wichmann schilderte uns die damaligen Schwierigkeiten des Transports nach Utecht. Über manches können wir heute nur schmunzeln. Die Blaskapelle Utecht wurde in den 40 Jahren ihres Bestehens weit über die Grenzen unseres Kreises bekannt.

 

Eine weitere Tradition gab es in Utecht: Am Vorabend des 1. Mai wurde von Kameraden der FF ein Maibaum aufgestellt. Dazu spielte die Kapelle fröhliche Weisen und für die Kinder fand ein Lampion- und Fackelumzug statt. Danach lud die FF mit ihrer Kapelle zum Maitanz ein.

1989/90 vollzog sich mit der Wende auch eine Wende in der Feuerwehr. Es entstanden neue Strukturen – Strukturen, die wir aus den alten Ländern übernahmen. Neue Kenntnisse mussten erworben werden. Bekanntschaften mit den Wehren der alten Bundesländer wurden ausgetauscht – aus Bekanntschaften wurden Freunde  und Partnerschaften.

Unsere FF arbeitet seit 1990 eng mit der Wehr aus Groß Sarau zusammen. Die ersten gemeinsamen Arbeiten wurden beim Bau der Brücke Rothenhusen getätigt. Unsere Kameraden rodeten die Bäume um die ehemalige Wegstrecke bis zur Wakenitz wieder begehbar zu machen. Die notwendige Technik, die Motorsägen, bekamen wir von den Groß Sarauern. So wurde in gemeinsamer Arbeit schon Ostern 1990 die Verbindung von Utecht nach Rothenhusen fertig. Das erste Feuerwehrauto wechselte von Groß Sarau nach Utecht den Besitzer.

Obwohl der FF nur gering Mittel zur Verfügung stehen, geht unsere Blickrichtung immer nach vorn. Zu wünschen sei es den Kameraden unserer Wehr, dass sie auch in diesem Jahr und allen folgenden Jahren bei notwendigen Einsätzen zum Wohle aller immer gesund nach Hause zurück kehren.

Wir danken allen aktiven Kameraden für ihre Einsatzbereitschaft und ihre ehrenamtliche Tätigkeit. In meinen Dank möchte ich auch die Angehörigen mit einschließen, ohne deren Verständnis vieles nicht möglich wäre.

Frank Quint  Wehrleiter

Anmerkung, die Bilder wurden nachträglich durch den Administrator eingefügt. Mle