Feuerwehr trotzt beim Jubiläum der Hitze

Theresa Franz
Utecht Sie gehen in brennende Häuser und sind bei sämtlichen Wetterbedingungen für ihre Mitmenschen im Einsatz. Und so kann auch eine Hitzewelle die Brandschützer aus Utecht nicht davon abhalten, ihr Jubiläum zu feiern. Seit 100 Jahren besteht die freiwillige Feuerwehr in dem Dorf am Ratzeburger See. Und lange hatte sie sich bereits auf die große Jubiläumsfeier vorbereitet.
„Den Termin haben wir tatsächlich schon vor über einem Jahr festgelegt“, schildert Utechts Wehrführer Stefan Winkler. Dass an diesem Wochenende Temperaturen über 30 Grad herrschen werden, konnte da natürlich noch keiner ahnen. Eine Absage ihrer Feierlichkeiten war für die Brandschützer jedoch keine Option. „Wir haben eigentlich immer gesagt, wir ziehen durch, weil wir auch keine großen Aktivitäten durchführen wie etwa bei Sportveranstaltungen. Und um einen neuen Termin zu finden, wäre es bei uns irgendwann Ende September geworden.“
Auch befreundete Wehren ließen es sich nicht nehmen, bei den Feierlichkeiten ihrer Kameraden in Utecht dabei zu sein, ob aus Wedendorfersee, Schattin, Schlagsdorf oder Groß Grönau. Auch die DLRG-Ortsgruppe und die Feuerwehr aus Groß Sarau waren mit ihrer Technik Teil des Festumzuges durch das Dorf. Gerade mit letzterer hat die Wehr bereits seit Jahrzehnten eine besondere Verbindung, denn: Nach 1990 erhielt die Feuerwehr von Kameraden aus Groß Sarau einen Opel Blitz geschenkt. Erst später erwarb sie ein ausgemustertes Feuerwehrauto, das in mühevoller Kleinarbeit wieder auf Vordermann gebracht wurde und bis 2018 als Einsatzfahrzeug diente.
Die Utechter Feuerwehr kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Nicht zuletzt führte ein verheerendes Unwetter, bei dem vor mehr als 100 Jahren drei Höfe nach Blitzeinschlägen abgebrannt waren, zu ihrer Gründung. Doch nicht nur an entsprechender Einsatztechnik mangelte es zuweilen bei den Utechter Brandschützern.
„Ich habe hier auch andere Zeiten erlebt. Ich bin jetzt seit 25 Jahren hier in der Feuerwehr und vor zehn, zwölf Jahren sah das hier ganz anders aus. Da hatten wir vielleicht noch acht oder neun Aktive und davon auch einige nur auf dem Papier. Das war schon kritisch“, blickt Stefan Winkler zurück.
Doch: „Wir waren immer ein paar Unentwegte, die hier an der Feuerwehr festgehalten haben.“ Winkler verweist dabei etwa auf das Engagement des damaligen Bürgermeisters Andreas Spiewack.
Seitdem hat sich viel getan. Inzwischen ist die aktive Abteilung der Feuerwehr in der rund 400 Einwohner zählenden Gemeinde 25 Frauen und Männer stark. Hinzu kommen die Kinder- und Jugendfeuerwehr sowie die Ehrenabteilung.
Über Utechts Nachwuchsbrandschützer und deren Betreuer, die mit so viel Engagement ihr zeitintensives Ehrenamt ausführen, zeigen sich Stefan Winkler und sein Stellvertreter Steffen Beckmann besonders stolz. „Von April bis September sind sie eigentlich jedes Wochenende mit den Kindern unterwegs. In einem positiven Sinne ist das wirklich krank, was sie machen. Wir als Wehrführung sind natürlich unendlich stolz, dass wir solche Leute in der Feuerwehr haben, die da so viel Herzblut hineinlegen und damit uns als Feuerwehr auch insgesamt weiterbringen“, sagt Winkler. Und wenn auch nur einer von zehn der Nachwuchsbrandschützer bei der Erwachsenenwehr lande, habe man bereits viel gewonnen.
Den Utechter Nachwuchsbrandschützern steht in Kürze ein ganz besonderes Abenteuer bevor. Denn am 8. Juli geht es für sie nach Finnland zum internationalen Jugendfeuerwehrlager Häly. Rund 3000 Teilnehmer aus mehreren Ländern werden dazu in Masku im Südwesten des Landes erwartet, wo für die Jugendlichen eigens eine Zeltstadt entstehen wird. Eine Woche lang können sie dort trainieren, um ihre Fähigkeiten weiterzuentwickeln und für reale Einsätze zu üben.
Für ihren Traum von der Reise nach Finnland haben die jungen Brandschützer in den vergangenen Monaten vollen Einsatz gezeigt. Die benötigten 15.000 Euro für ihr Abenteuer sind inzwischen komplett: „Ohne dass unser Förderverein etwas dazugeben muss, haben sie das nur über Spenden und irgendwelche Aktionen zusammen bekommen“, erzählt Stefan Winkler begeistert. Dem Abenteuer Finnland steht also nichts mehr im Wege.
Und schon bald werden vielleicht noch viele andere Jugendliche aus Finnland und weiteren Ländern von der Feuerwehr im kleinen Utecht wissen, die bereits seit 100 Jahren besteht.